Prana im Yoga - Gastbeitrag
Was du über die Lebensenergie und ihre verschiedenen Formen wissen solltest
Manchmal sitze ich vor einer Yogastunde noch einen Moment länger auf meiner Matte, höre dem leisen Summen meines Atems zu und spüre, wie sich etwas in mir sammelt, noch bevor wir gemeinsam beginnen, und genau dann wird mir wieder bewusst, dass Yoga so viel mehr ist als Bewegung, so viel mehr als Dehnung und Kräftigung, denn da ist etwas, das uns alle verbindet, egal ob wir uns allein oder gemeinsam auf der Matte begegnen, und dieses Etwas nennen wir im Yoga Prana.
Prana ist kein abstrakter Begriff aus alten Schriften, sondern etwas sehr Konkretes, etwas, das du in jedem Moment deines Alltags erfahren kannst, wenn du still genug wirst, um hinzuspüren, und gerade in meinen Stunden, ob in Ministerien, Unternehmen oder im virtuellen Raum, erlebe ich immer wieder, wie Menschen aufatmen, wenn sie beginnen zu verstehen, dass diese Lebensenergie bereits da ist und nicht erarbeitet werden muss, sondern eingeladen.

Gastbeitrag von Sandra Kohns
Schon in den ersten Minuten der Praxis lade ich dazu ein, den Atem wahrzunehmen, nicht zu verändern, sondern einfach zu beobachten, und genau dort beginnt die Begegnung mit Prana, ganz leise, ganz unspektakulär und doch tief berührend.
Wenn wir von Prana sprechen, lohnt es sich zu wissen, dass die yogische Tradition nicht nur von einer einzigen Energieform ausgeht: Es gibt insgesamt zehn unterschiedliche Prana‑Qualitäten. Fünf davon gelten als die Haupt‑Vayus (die alltäglichen, gut spürbaren Energien), fünf weitere als feinere, unterstützende Kräfte.
Was Prana im Yoga wirklich bedeutet
Prana wird oft als Lebensenergie übersetzt, doch diese Worte greifen eigentlich zu kurz, denn Prana ist Bewegung, Rhythmus und Verbindung zugleich, es ist das, was dich morgens aufstehen lässt und abends zur Ruhe bringt, und im Yoga lernen wir, mit dieser Energie bewusst umzugehen, statt sie unbemerkt zu verstreuen.
In den alten yogischen Texten wird Prana als feinstoffliche Kraft beschrieben, die durch alles Lebendige fließt, durch Pflanzen, Tiere und Menschen, und wenn ich das heute in meinen Kursen erkläre, dann nicht theoretisch, sondern über Erfahrung, über das Spüren im eigenen Körper, über den Moment, in dem der Atem freier wird und der Geist weicher.
Gerade Menschen, die viel Verantwortung tragen und im Alltag stark gefordert sind, erzählen mir nach den Stunden oft, dass sie sich zum ersten Mal seit Langem wieder lebendig fühlen, nicht aufgedreht, sondern klar und ruhig zugleich, und genau das ist Prana in Balance.
Die fünf Hauptformen von Prana und ihre Wirkung
Im Yoga sprechen wir von verschiedenen Erscheinungsformen dieser Lebensenergie, die sogenannten Vayus, und auch wenn das zunächst kompliziert klingt, begegnen sie dir jeden Tag, in ganz alltäglichen Situationen, in deinem Atem, deiner Verdauung, deinem Ausdruck.
Prana Vayu
Energie des Einatmens
Prana Vayu ist die aufnehmende Energie, sie wirkt im Brustraum und ist eng mit dem Einatmen verbunden, und immer wenn wir im Yoga den Fokus auf eine weite Brust, einen ruhigen Atem und offene Schultern legen, nähren wir genau diese Qualität.
Ich erlebe oft, wie Menschen plötzlich tiefer einatmen können, als hätten sie es lange verlernt, und mit diesem Atem kommt oft auch Mut, Offenheit und ein neues Vertrauen ins eigene Empfinden.
Apana Vayu wirkt im Beckenraum und ist für das Abgeben, Loslassen und Erden zuständig, und gerade in Zeiten von Stress und innerem Druck ist diese Energie oft geschwächt.
Sanfte Vorbeugen, ruhige Atemübungen und das bewusste Spüren der Verbindung zum Boden helfen, Apana Vayu zu harmonisieren, und ich sehe immer wieder, wie allein dieses Gefühl von Gehaltensein eine tiefe Entspannung auslöst.
Samana Vayu sitzt im Bauchraum und ist für Ausgleich und Verdauung zuständig, auf körperlicher wie auf emotionaler Ebene, und wenn diese Energie im Gleichgewicht ist, fühlen wir uns zentriert und klar.
Gerade in ruhigen Übungssettings, wenn äußere Ablenkungen in den Hintergrund treten, entsteht oft ein besonders intensiver Kontakt zu dieser inneren Mitte, weil Raum entsteht, ganz bei sich anzukommen.
Udana Vayu steigt nach oben und unterstützt Sprache, Ausdruck und geistige Klarheit, und viele Menschen spüren nach einer Yogastunde, dass sie sich klarer ausdrücken können, ruhiger sprechen und bewusster handeln.
Diese Qualität ist besonders wichtig für alle, die viel kommunizieren, präsentieren oder Verantwortung tragen, denn ein freier Energiefluss im Hals‑ und Kopfbereich unterstützt Klarheit, Präsenz und bewussten Ausdruck.
Vyana Vayu
Energie der Ausdehnung
Vyana Vayu durchzieht den ganzen Körper und verbindet alle anderen Energieformen, es ist die Energie der Weite &des Zusammenspiels, und wenn sie frei fließt, fühlen wir uns verbunden, mit uns selbst und mit unserer Umgebung.
In fließenden Bewegungsabfolgen, die Atem und Bewegung vereinen, wird diese Qualität besonders spürbar, und viele Teilnehmende beschreiben danach ein Gefühl von innerer Weite und gleichzeitiger Stabilität.
Die weiteren fünf Prana‑Formen – feine Kräfte im Hintergrund
Neben den fünf Hauptformen von Prana beschreibt die Yogatradition fünf weitere, feinere Erscheinungsformen der Lebensenergie. Diese sogenannten Upa‑Vayus wirken oft subtiler, sind aber ebenso entscheidend für unser körperliches und energetisches Gleichgewicht. Vielleicht nimmst du sie nicht sofort bewusst wahr – und doch begleiten sie dich in jedem Moment.
Prana im Alltag erleben
Prana ist nicht auf die Yogamatte beschränkt, es begleitet dich durch deinen Tag, durch jede bewusste Pause, jeden achtsamen Atemzug und jede Entscheidung, die du aus einem ruhigen Moment heraus triffst.
Gerade in einer regelmäßigen, bewussten Praxis zeigt sich, wie kraftvoll diese Arbeit sein kann, weil sie im eigenen Tempo und im eigenen Raum stattfindet und ein Gefühl von innerer Verbundenheit entstehen lässt.
Wenn du beginnst, Prana bewusst wahrzunehmen, verändert sich dein Blick auf Bewegung, auf Atmung und auf Stille, und Yoga wird zu einer Praxis, die dich nicht nur beweglicher, sondern auch lebendiger macht.
Prana als Zusammenspiel
Wenn wir im Yoga von Prana sprechen, geht es also nicht um eine einzelne Energie, sondern um ein fein abgestimmtes Zusammenspiel aus fünf Haupt‑Vayus und fünf unterstützenden Unterformen. Gemeinsam formen sie die Grundlage für Vitalität, Klarheit und innere Balance.
Je bewusster du dich auf Atem, Bewegung und Stille einlässt, desto deutlicher kannst du diese unterschiedlichen Qualitäten wahrnehmen – nicht als Theorie, sondern als lebendige Erfahrung.
Ein stiller Abschluss
Vielleicht nimmst du dir nach dem Lesen einen Moment Zeit, schließt die Augen und spürst, wie dein Atem kommt und geht, ohne etwas verändern zu müssen, und vielleicht bemerkst du dabei, dass Prana nichts ist, das erklärt werden will, sondern etwas, das erfahren werden möchte.
Yoga lädt dich ein, diese Erfahrung immer wieder zu machen, sanft, ehrlich und in deinem eigenen Tempo, und egal ob auf der Matte im Raum oder im Alltag, die Lebensenergie ist immer da und wartet darauf, von dir wahrgenommen zu werden.
Namaste,
Deine Sandra von LAJA Yoga

Autorin
Sandra Kohns
Gründerin von LAJA – Spirit of YOGA
Yogalehrerin 200h (American Yoga Alliance)
Hatha, Vinyasa, Yin, Kinder Yoga, Aroma‑Yoga, Klang Yoga
Bachelor of Arts Sportökonomie | Master of Business Administration (MBA) — Schwerpunkt Sport‑/Gesundheitsmanagement & betriebliches Gesundheitsmanagement
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